Freitag, 28. September 2012

Gemein(sam)es Sorgerecht

In der Schweiz sind jährlich 14‘000 Kinder von der Trennung ihrer Eltern betroffen. Um das Sorgerecht dieser traurigen Realität anzupassen, hat der Nationalrat diese Woche beschlossen, dass künftig das gemeinsame Sorgerecht die Regel sein soll. Im Rahmen der Nationalratdebatte machte Alec von Graffenried folgende Aussage:

"Geschiedene Eltern bleiben Eltern und sie sind gezwungen zu kooperieren... und zwar ob sie wollen oder nicht."

Genau so ist es und dennoch kriegen es viele nicht auf die Reihe! Wenn ich hier und da mitbekomme, welches Verhalten geschiedene Eltern in Sachen Sorgerecht an den Tag legen, stelle ich fest, dass die verantwortungsvolle Erziehung und das Kind auf der Strecke bleiben!

Solche Eltern erinnern mich dann unweigerlich an feige Warlords, die wehrlose Kinder zu Kindersoldaten machen und in's Verderben schicken oder an gewissenlose Machthaber/Diktatoren, die nicht davor zurückschrecken, ihre eigene Bevölkerung als menschliches Schutzschild hinzustellen und verrecken zu lassen.

Erbärmlich,... wirklich erbärmlich!  

Kommentare:

  1. Das mit dem Sorgerecht ist eine schwierige Geschichte. Selbst Eltern, die sich zusammen leben haben unterschiedliche Meinungen und wenn man sich nicht mehr versteht ist es wesentlich schwieriger abweichende Meinungen über manche Dinge zusammen zu bringen.

    Das gemeinsame Sorgerecht ermöglicht eine große Einflussnahme auf das Leben des Ex-Partners, ich möchte Beispielsweise das Aufenthaltsbestimmungsrecht nennen. Überlegen Sie doch bitte mal, ob sie sich von ihrem Ex-Partner vorschreiben lassen möchten, wo sie zu wohnen haben. Wenn sie eine neue Liebe oder einen neuen grandiosen Job, im Tessin finden, wären sie davon begeistert, dass Ihnen Ihre Ex vorschreibt dort nicht hinzuziehen? Ich glaube kaum.

    Selbstverständlich ist es so, dass man sich einigen muss, aber so ganz einfach ist das nicht.
    Das hat in den wenigsten Fällen mit der Instrumentalisierung der Kinder zu tun, sondern in den meisten Fällen mit dem Recht auf Selbstbestimmung.
    Dem Kind schadet es meist nicht, wenn der Erziehungsberechtigte woanders hin zieht, Kinder finden sich ein, wenn der Erziehungsberechtigte (meist ist es ja die Mutter) sich wohl fühlt und glücklich ist, es schadet dem Ex-Partner, weil das Umgangsrecht erschwert wird, wenn das Kind nicht mehr um die Ecke wohnt...

    So ganz glücklich ist eine Entscheidung auf automatisches, gemeinsames Sorgerecht nicht, denn in der Praxis, erlebe ich das oft, dass zwar gerne auf das Recht gepocht wird, die Pflichten die das aber ebenso beinhaltet werden aber gerne vernachlässigt.

    Verantwortungsvoll ist das selten, aber aus menschlicher Sicht, oft verständlich.

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    1. Kann ich nachvollziehen und man muss ja auch nicht immer gleicher Meinung sein, ganz unabhängig vom Beziehungsstatus.

      Das Sorgerecht selbst ermöglicht eine grosse Einflussnahme, egal ob alleine oder gemeinsam. Und hier besteht der Einfluss nicht nur auf das Leben des Ex-Partner, sondern ganz besonders auf das Kind. Ich kenne Leute, die reden nach einer Trennung über den Ex-Partner, als wäre er der Teufel auf Erden. Das Kind wird für eigene Zwecke manipuliert. Und dieses Verhalten finde ich schlecht! Obwohl ich kinderlos bin, weiss ich, dass jedes Kind eine Mama und einen Papa braucht!

      Vorschriften finde ich in einer Beziehung generell schlecht. Wenn es diese braucht, ich eh was verkehrt. Einen Aufenthaltsort vorzuschreiben geht nicht. Punkt!

      Der fehlende Konsens ist ja oft das Übel nach einer Trennung und dieser wird m.E. oft gar nicht gesucht sondern aktiv dagegen gearbeitet. So nach dem Motto "Ich werde alles tun, damit es nicht passt. Soll er/sie doch selber schauen, ich mache jetzt MEIN Ding!" und genau dieses Verhalten finde ich erbärmlich, denn irgendwo bleibt das gemeinsame Kind auf der Strecke!

      Das man als Elternteil nicht nur ein Sorgerecht, sondern noch weit aus mehr Pflichten hat, sollte jedem klar sein, der Kinder in die Welt setzen will. Aber das ist ein anderes Thema.

      Grundgedanke meines Posts: Geschiedene Eltern sollten ihre eigenen Interessen nicht vor das Wohl des Kindes stellen, denn dieses liebt und braucht beide, auch wenn es seine Eltern nicht mehr tun.

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    2. Gebe ich Ihnen grundsätzlich recht.

      Ich habe das Aufenthaltsbestimmungsrecht nicht ohne Grund als Beispiel angeführt. Einerseits will sich keiner vorschreiben lassen wo er lebt auf der anderen Seite kann man mit einem Wegzug dem anderen das Umgangsrecht unbillig erschweren.

      Es ist zweischneidig und nicht immer simpel zu lösen. Auch wenn Eltern meistens auf das Kindeswohl bedacht sind, wenn die Meinungen darüber auseinander gehen, was dem Kindeswohl dient wird es schwierig, denn meist haben beide Parteien mit ihrer jeweiligen irgendwie recht.

      In der Theorie ist das einfach, in der Praxis schwierig.

      Schlimm ist es immer für die Kinder....

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  2. "Grundgedanke meines Posts: Geschiedene Eltern sollten ihre eigenen Interessen nicht vor das Wohl des Kindes stellen, denn dieses liebt und braucht beide, auch wenn es seine Eltern nicht mehr tun."

    Das ist verdammt richtig und ein Punkt der oft vergessen wird.

    Problem ist auch weniger die Rechte der Eltern, sondern die Pflichten.

    Bei uns ist das ganz einfach gelöst, Rechte haben wir beide, aber in der Pflicht bin nur ich ;-) Es gibt schlimmeres, dafür haben wir einen netten Umgang miteinander.

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  3. Das Grundproblem ist eigentlich der Elternteil an sich. Wen sich einer von beiden verletzt fühlt, dann versucht er/sie das Kind "auf seine Seite" zu ziehen und vereinnahmt damit auch das Kind. Da fallen dann solche Sätze wie "Guck mal, da ist dein Idiot von Vater."
    Eine Horrorvorstellung. Das Kind liebt beide Elternteile und muss sich dann doch immer für einen von beiden Entscheiden.

    Eltern sind manchmal noch mehr Kind als ihre eigenen Kinder.

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  4. Das Problem ist m.E., dass Elternpaare nach der Trennung keine Möglichkeit haben, die Trennung zu verarbeiten. Dadurch werden sämtliche Altlasten weiter mitgeschleppt. Sobald man sich nicht einige ist, was "das Beste" für das Kind ist, laufen die alten Mechanismen ab. Das Kind sieht im Laufe der Zeit für sich nur drei Alternativen:
    1) Bei Papa nicht mehr erzählen, was bei Mama passiert und umgekehrt.
    2) Die Eltern gegeneinander ausspielen.
    3) Sich notgedrungen für einen entscheiden und mit dem Verlust des anderen klar kommen müssen.
    Ob das Kind "glücklich" ist, wenn es der Elternteil, bei dem es lebt, ist, wage ich zu bezweifeln.
    Und falls einer meint, ich könne nicht mitreden, weil ich keine Kinder habe:
    Ich bin ein Scheidungskind und kann daher sehr weohl mitreden.

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