Montag, 23. April 2018

Die Matte - Das schwarze Quartier

Meine jährlichen Besuche in der alten Heimat Bern kann ich mittlerweile an einer Hand abzählen. Umso schöner, wenn ich bei einem meiner wenigen Aufenthalten die Schönheit gewisser Ecken wiederentdecken und Neues erfahren kann. So wie letzten Samstag, als ich im Rahmen eines Geburtstags bei einem Rundgang durch den ältesten Stadtteil Berns teilnehmen und von einem Berner Original viel Spannendes erfahren durfte.

Die Matte oder das schwarze Quartier, wie dieser älteste Stadtteil Berns seit Napoleon genannt wird, ist eine eigene kleine Welt. Eine Welt mit vielen Pflastersteinen, engen Gassen, schmalen Häusern, urchigen Quartierläden, hübschen Restaurants und einer eigenen Geheimsprache - das "Matteänglisch" - welche bis heute noch gesprochen wird.

Wo einst Waren gehandelt wurden, der Geruch von Gerbereien in der Luft lag, Metzger schufteten und sich ehrenvolle Leute wie Giacomo Casanova in Badehäusern und Bordellen vergnügten, prägen heute primär Kunstschaffende, Grafiker und Werbebüros das Quartier. Geblieben ist ein unvergleichlicher Charme und zahlreiche Geschichten über einen besonderen Stadtteil im Herzen von Bern.

Bunt und lebensfroh, so präsentiert sich die Matte

Unter der Schifflaube

Kleingewerbe in der Matte
Restaurants, Quartierbeizen und schattige Plätze laden zum Verweilen ein

Nydeggtreppe mit 157 Stufen

In der Fabrique de Chocolat hat Rudolf Lindt (1855-1906) den "Chocolat fin" erfunden

Unter der Nydeggbrücke mit Blick auf den Berner Rosengarten

Beim Matteschulhaus mit Blick auf die Oberstadt

Hinweistafel beim Matteschulhaus

Die Aare in Bern

Restaurant zum Zähringer - So nah beim Zentrum und so schön weit weg vom Alltag
Beim Wasserwerk und der Berner Rialto-Brücke

Auch bekannte Maler mussten die Schulbank drücken

Montag, 16. April 2018

The Dolder Grand - Ankommen, ausruhen, geniessen

Vergangenen Freitag durfte ich Geburtstag feiern und wurde zur Feier des Tages von meiner Frau mit einem romantischen "Weekend for Two" im The Dolder Grand überrascht. Dieses 5-Sterne Luxushotel am Westhang des Adlisbergs verwöhnt seine Gäste mit perfektem Service, stilvoll eingerichteten Zimmern/Suiten, erstklassigen Restaurants (14/18 Gault-Millau Punkte, 2 Michelin-Sterne) und eine der exklusivsten Wellness-Anlagen der Schweiz. Alles in allem eine perfekte Geburtstagsüberraschung, die ich mit meiner Frau (ohne Kinder!) zelebrieren und geniessen durfte - nochmals vielen herzlichen Dank!!!

Doppelzimmer Deluxe im neuen Gebäudeflügel
Willkommens-Champagner zur Feier des Tages
Stilvolle Einrichtung im Doppelzimmer Deluxe und Balkon mit Südsicht
Wellnessoase im Zimmer 
Balkon mit Blick auf den Zürichsee und die Alpen
Eingang zum Dolder Grand Spa
Whirlpool mit Aussicht
Nach Ruhe und Erholung im erstklassigen Spa widmeten wir uns der Kulinarik und suchten den reservierten Tisch im Restaurant Saltz (14 Gault-Millau Punkte) auf. In gemütlichem Ambiente genossen wir anschliessend ein schnörkelloses 3-Gänge Menü und schlürften Bollinger Brut, bevor wir den Abend in der Dolder Grand Bar mit Live-Pianomusik und zahlreichen Cocktails ausklingen liessen.

The Dolder Grand by night
Vorspeise: Spinat-Kokosnuss Crèmesuppe mit Eden Garnele

Hauptgang: Ibérico de Bellota Bäckchen mit Coco Bohnen, Beluga Linsen und Pommery Senf

Schokoladen-Haselnuss-Kaffee Barren mit Baileys Eis
Kunst in der Lobby
Vesper in der Dolder Grand Bar

Montag, 5. Februar 2018

Japanese Cotton Cheesecake

Schon öfters bin ich bei Instagram über den Japanese Cotton Cheesecake von Uncle Rikuro aus Osaka gestolpert und jedes Mal hat mich dieses fluffige, leichte und souffleartige Gebäck aus Fernost fasziniert.



Grund genug, im Internet nach dem Rezept zu suchen. Bei Bake to the roots wurde ich rasch fündig, wobei dies meines Erachtens nicht das Originalrezept sein kann. Für einen weiteren Versuch tendiere ich in Richtung von The Bonding Tool oder SugaryWinzy, welche beide weniger Frischkäse einsetzen und auf Cream of Tartar (Weinstein, z.B. Alnatura Backpulver Reinweinstein) und Corn starch (Speisestärke, z.B. Maizena) setzen, was die Triebkraft und Luftigkeit des Gebäcks zusätzlich optimieren wird.

Zutaten
400 g Frischkäse (Philadelphia Doppelrahm)
50 g Zucker
60 g weiche Butter
6 Eier (L), getrennt
200 g Vollrahm, Zimmertemperatur
2 TL Zitronensaft und etwas Zeste
80 g Weissmehl (Type 405)
100 g Zucker
Puderzucker zum Bestäuben

Backutensilien
Handrührgerät oder Küchenmaschine
24 cm Springform
Backpapier
Alufolie
Tiefes Backblech

Zubereitung
Backofen auf 160°C (Umluft) vorheizen. Eine 24 cm Springform einfetten, mit Backpapier auslegen (das Backpapier sollte mindestens 5 cm über den Rand der Form hinausragen) und in 3-4 Lagen Alufolie einwickeln (die Springform kommt später in ein tiefes Backblech, das mit kochendem Wasser gefüllt ist).



Eier trennen. In einer grossen Schüssel den Frischkäse mit 50 g Zucker bei mittlerer Geschwindigkeit verrühren, bis sich alles gut verbunden hat. Die weiche Butter in kleinen Stücken zugeben und gut unterrühren. Eigelb, Vollrahm, Zitronensaft sowie Zeste beigeben und alles zu einer glatten Masse rühren. Mehl in die Schüssel sieben und gut verrühren.

In einer zweiten (fettfreien) Schüssel das Eiweiss bei mittlerer Geschwindigkeit locker aufschlagen. Geschwindigkeit erhöhen und 100 g Zucker langsam beifügen. Auf höchster Stufe für etwa 3-4 Minuten aufschlagen, bis eine dicke, glänzende Baisermasse entsteht. Etwa 1/3 davon abnehmen und vorsichtig unter die Frischkäsemasse rühren, dann die restliche Baisermasse sehr vorsichtig unterheben – es sollte möglichst wenig Volumen verloren gehen. In die vorbereitete Springform füllen und die Oberfläche glatt streichen. Damit Luftblasen entweichen können, die Springform ein bis zwei Mal auf die Arbeitsfläche fallen lassen.



Die Springform in ein tiefes Backblech (oder Backform) stellen und +/- 2,5 cm kochendes Wasser einfüllen. Blech in der Mitte des Backofens platzieren und für etwa 55 Minuten bei 160°C backen. Danach die Temperatur auf 150°C reduzieren und weitere 30 Minuten backen. Backofen ausschalten und den Kuchen für weitere 15 Minuten bei geschlossener Türe stehen lassen. Die Ofentüre dann einen Spalt weit öffnen und weitere 15-20 Minuten warten, danach kann der Cotton Cheesecake herausgenommen und auf einem Kuchengitter in der Form komplett abgekühlt werden.



Vor dem Servieren vorsichtig aus der Form lösen, mit Puderzucker bestäuben und geniessen.



Mittwoch, 17. Januar 2018

Der Schrei

Es war kurz vor Mitternacht, als uns ein Schrei aus der Einschlafphase riss.
Der Schrei ging durch Mark und Bein, war extrem laut und voller Angst.
Es war der Schrei unseres Sohnes!

Wir schracken auf, schauten uns an und standen fünf Sekunden später am Babybett.
Was war passiert?!?

Trotz gedämpften Licht konnten wir sehen, dass seine Augen angsterfüllt waren.
Dicke Tränen kullerten seine Wangen runter, die Lippen zitterten bei jedem Schrei.
Was war passiert?!?

Levi schaute uns an und wurde immer lauter.
Zureden – Fehlanzeige!
Schnuller – Fehlanzeige!
Plüschelefant – Fehlanzeige!
Streicheln – Fehlanzeige!
In den Arm nehmen – schlimmer!
Sanftes hin und her wiegen – viel schlimmer!
Aus dem Zimmer gehen – noch viel schlimmer!

Nach 10 Minuten war der Spuk vorbei.
Levi schlief tief und fest, als wäre nichts gewesen.
Wir waren ratlos, verwirrt und verunsichert, an Schlaf war kaum zu denken.

Kinderärzte nennen dieses Phänomen Pavor nocturnus (Nachtschreck).
Er kann wenige Stunden nach dem Einschlafen des Kindes auftreten.
Mit herzzerreissendem Aufschreien, verwirrtem Blick, unbändigen Bewegungen,
Herzrasen, Schweissausbruch und resistent gegen jegliche Beruhigungsversuche.

Kinder, die einen Nachtschreck erleben, verharren zwischen zwei Schlafphasen.
Der Körper ist wach, das Bewusstsein noch nicht.
Vorbeugen kann man dem Nachtschreck nur bedingt.
Regelmässiger Schlafrhythmus, wenig Aufregung vor dem Einschlafen und ein kühles Schlafzimmer sollen helfen.

Willkommen im Leben!


Freitag, 12. Januar 2018

Des Mannes liebstes Kind

Heute Morgen habe ich einen seltenen Moment erlebt, als ich im Zürcher Berufsverkehr einen dunkelgrünen Talbot-Matra Rancho X erblickte. Genau so einen, wie ihn meine Eltern in den späten 80er Jahren besassen. Schon damals war dieses Freizeitauto eher selten, wir waren meines Wissen weit und breit die Einzigen, die damit rumkurvten. Durch seine Farbe und der wuchtigen Erscheinung wirkte unsere Familienkutsche wie aus dem Restbestand eines militärischen Fuhrparks. Der Rancho war ein Lastesel, hatte unglaublich viel Platz und das Reisen auf der breiten Rückbank, das eher einem Sofa glich, war phänomenal bequem. Gerne erinnere ich mich an die langen Fahrten nach Marseillan, wo für uns jeweils die Hausboot-Ferien auf dem Canal du Midi sowie der Étang de Thau begannen.

Einige Jahre später schafften sich meine Eltern einen neuen Toyota Corolla Spacewagon in silber metallic an. In Sachen Design, Ausstattung und Komfort war der Japaner ein echter Quantensprung. Und mit diesem Auto absolvierte ich dann 1995, auf einem leeren Parkplatz eines Einkaufszentrums, meine ersten Meter hinter dem Steuerrad. An der Heckklappe das blaue L für Lernfahrer. Für mich eine aufregende Erfahrung mit weichen Knien,... für meine Mum eine nervtötende Reitstunde mit durchgeschwitzer Bluse... und für den Toyota der Beginn eines leidvollen Endes (die Kupplung lässt grüssen).

Im März 1996 hatte ich meinen Führerschein definitiv in der Tasche (die obligatorischen Fahrstunden absolvierte ich mit einem bordeauxroten Peugeot 405) und machte mir, wie jeder Neulenker, erste Gedanken über ein eigenes Auto. Da der Toyota alles andere als jugendlich und cool war, fädelte ich gemeinsam mit meinem Bruder einen Deal ein und war kurz darauf stolzer Co-Besitzer eines Renault R5 GTE in silber metallic. Eine französische Rennsemmel par excellence, die unsere Erwartungen weit übertraf, da sie noch ein paar versteckte Mängel mitbrachte, die wir so nicht auf dem Neulenker-Radar hatten. Das automobile Ende wurde jedoch in die Wege geleitet, als mein Bruder den Wagen in einer Nacht- und Nebelaktion zu einem befreundeten Hobbyschrauber schleppte, um ihn ein paar Zentimeter tiefer zu legen. Fazit: Sah spitzenmässig aus, hatte aber erhebliche Konsequenzen für Mensch und Maschine. Bei Vollbesetzung schleifte es in allen Radkästen, bei schneebedeckten Strassen übernahm der Renault die Aufgaben des Winterräumdienstes (unter der Frontschürze hatte eine liegende Zigarettenschachtel gerade noch so Platz) und jeder Schweller erforderte ein Stop & Go Manöver. Für den Alltagsverkehr und die Bandscheiben wurde der Renault rasch einmal unbrauchbar und kurz darauf in die Ostschweiz verkauft. An einen unerfahrenen Neulenker, der sein erstes Auto suchte und sich Hals über Kopf in unsere Kiste verliebte.

Als Nachfolger wurde erneut ein Franzose evaluiert. Ein Peugeot 306 GTi in schwarz metallic und Originalzustand: 2 Liter Maschine, 4 Zylinder, 16 Ventile, 163 PS, knackiges 6-Gang Schaltgetriebe und sportliche Fahrwerksabstimmung. Alles vom Feinsten, bis auf den Umstand, dass ich dieses Auto immer noch mit meinem Bruder teilen musste.

Dank familiären Beziehungen war ich wenig später stolzer Besitzer einer eigenen Karre, ein dunkelgrüner VW Golf II GT aus Deutschland (Importfahrzeug). Tolles Auto, markantes Design, leichte Tieferlegung ab Werk, 90 PS und Breitreifen auf 14" BBS-Felgen. Entgegen meiner Meinung gefiel der Golf jedoch nicht allen. Meine damalige Freundin setzte ihn im Kreisverkehr schwungvoll in den Vordermann und rief mich danach leicht paralysiert an. Den Golf sah ich danach nur noch, um meine Kontrollschilder abzuholen.

Als Not- und Überbrückungslösung durfte ich danach kurzzeitig das Auto ihrer Mum fahren, einen weissen Mazda 121 II. Eine japanische Designkatastrophe auf vier Rädern. Der Kugelblitz hatte null Sexappeal, hing bei 7'000 Umdrehungen jedoch ordentlich am Gas. Als Beweis folgten bald einmal gestochen scharfe Bildlichtaufnahmen, welche die Polizei innerorts machte. Von mir. Im Mazda 121. Und 72 km/h auf der Uhr. Nach Abzug aller Toleranzwerte hatte ich mir ein bürokratisches Desaster eingehandelt und die erste Anzeige inkl. Bussgeldbescheid von etwas über 900 Franken im Briefkasten. Den Mazda war ich natürlich auch los.

Zu Vorzugskonditionen kaufte ich mir dann sofort einen neuen Peugeot 206 GTi in silbergrau metallic, liess eine ordentliche Auspuffanlage aus dem Hause REMUS anbauen, legte das Fahrwerk tiefer und holte bei RONAL in Härkingen todschicke 18" Design LZ Felgen ab. Der 206 GTi war danach ein echtes Schmuckstück und liess sich wie ein Go-Kart fahren. Mit zunehmender Vernunft dachte ich jedoch immer lauter über 5 Türen, mehr Laderaum und Sicherheit nach. Ersatz musste her.

4 Jahre später, im Sommer 2003, wurde ich Besitzer eines schwarzen Kombis aus dem Hause Volvo und hatte mit dem V40 T4 meinen ersten Turbo unter dem Hintern. Dieses Automobil zündete bei 2'500 Umdrehungen den Nachbrenner und ging ab wie eine Rakete. Der Volvo war ein gutes und vernünftiges Auto. Aufpassen musste man gemäss Hinweisen in zahlreichen Foren lediglich mit den Zylinderkopfdichtungen, die ab 100'000 km gerne mal Probleme machen und beim Freundlichen dann viel Geld kosten. Ersatz zeichnete sich ab, denn ich näherte mich schnell der erwähnten Marke.

Im Kalenderjahr 2007 stellte ich den Volvo V40 T4 mit knapp 110'000 km beim BMW Händler meines Vertrauens auf den Platz und freute mich auf mein brandneues 335i E92 Coupé in spacegrau metallic mit allen Ausstattungsoptionen (das waren viele!) und sagenhaften 306 Pferden aus 3 Litern Hubraum und 6 Zylindern. Himmel, Arsch und Zwirn, ich war im automobilen Himmel angekommen! Alleine das sanfte Wummern aus den zwei Endrohren war ein Erlebnis für Körper und Geist. Erstmals durfte ich erfahren, was "Freude am Fahren" wirklich bedeutet. Dieses 335i Coupé war ein wahr gewordener Traum,... ausser im Winter, bei schneebedeckten Strassen!

Mein BMW 335i Coupé richtig in Szene gesetzt (Photocredit: Pascal Greuter)

Nachdem ich das 335i Coupé am 30.09.2013 für 18'500 Kröten an einen Junglenker mit Balkanwurzeln verkaufte, folgte mit dem 120d Cabrio (E88) mein erstes "oben ohne" Fahrzeug in saphirschwarz metallic. Kaufpreis: CHF 37'690.00, Erstzulassung 29.10.2012 und 1'490 km auf der Uhr. Das Cabriolet war Freiheit pur, sehr überschaubar, gemütlich und extrem entspannt. Dank Lenkrad-/Sitzheizung und Windschott konnte man sogar im Winter oben ohne rumcruisen und die Freiheit geniessen. Als Zweitwagen und für Last-/Schwertransporte, d.h. Grosseinkauf, konnte ich auf den BMW X3 3.0d (E83) meiner Frau zurückgreifen. Dies kam leider öfters vor, denn offenes Verdeck und montiertes Windschott begrenzten die freie Ladefläche extrem. Eigentlich war es ein reines Spassmobil, mit dem wir nicht viel mehr als 18'000 km zurücklegten.

Vor der Geburt unseres 2. Sohnes verkauften wir im Frühling 2017 beide Bajuwaren und investierten in eine neue Familienkutsche aus dem Hause Daimler AG, einen Mercedes-Benz GLE 350d 4MATIC (W166) in obsidianschwarz metallic mit AMG-Designkit. Sicherheit, Komfort, Assistenzsysteme und Raumangebot waren nun viel wichtiger als hohe Drehzahl, grosser Hubraum oder spassige Gadgets. Und bis heute hat sich der Mercedes-Benz GLE jeder Herausforderung gestellt, die wir auf kleinen Fluchten, grossen Abenteuern und allen Momenten dazwischen als Familie erleben.


Dienstag, 9. Januar 2018

Reise in die Vergangenheit

Am 16. Dezember 2017 war ich, nach langer, langer Zeit, wieder einmal in der "alten" Heimat. Dort, wo ich meine eigenen Kindheits- und Jugendjahre (1982 - 2004) verbracht und zahlreiche Dinge erlebt, angestellt und verarbeitet habe.


Irgendwie verrückt, die Vergangenheit war sofort präsent, auch wenn sich vor Ort vieles verändert hat und eigentlich kein Stein mehr auf dem anderen steht. Einzig das ehemalige Quartier lässt sich im Ansatz noch genauso erkennen, wie ich es als Kind, Teenager und junger Erwachsener wahrgenommen habe und weckte zahlreiche Erinnerungen:
  • Der kurze Schulweg, der in den ersten Jahren noch durchs Oberdorf führte und später ins nähergelegene Schulareal (Luftlinie 400 m)
  • Die vielen Stunden draussen zum Spielen (Softball-Tennis, Basketball, Strassenhockey, Verstecken im Maisfeld, Cowboy & Indianer, Drachenfliegen, Bumerang, etc.) mit den Nachbarskindern (Pascal, Patrick, Thomas, Roland, Marianne, Rebekka, Raffael, Martin, Res, Manfred, etc.)
  • Die kalten Tage im Winter, wenn vor dem Haus Iglus, Schneemänner oder Eiskanäle für den Bob gebaut wurden, heftige Schneeballschlachten stattfanden oder wir auf dem Hügel bei der Kirche stundenlang Schlitten gefahren sind
  • Die vielen Dummheiten (Böller in Briefkästen, Hundehaufen vor Türen, brennende Abfallcontainer, Eier an Hauswänden, etc.), die man in der näheren Umgebung angestellt hat und später lückenlos gestehen musste, da Mum infolge aufmerksamen Nachbarn stets bestens informiert war
  • Die langen Abende im Sommer, wenn Dad mit den Nachbarn den Grill anwarf und bis spät in die Nacht gequatscht wurde
  • Die verhasste Gartenarbeit, aber auch Erinnerungen an blühende Sträucher und Blumenbeete
  • Die Mithilfe bei der nicht immer geliebten Heimarbeit
  • Das grosse Eisenbahnzimmer meines Vaters
  • Die zahlreichen Stunden des Lernens im eigenen Kinderzimmer, aber auch x Stunden am Amiga 500 (Barbarian!), XXL-Dominobahnen durch die ganze Wohnung oder Lego-Technik vom Feinsten.
  • Starschnitte aus der BRAVO, laute Musik (Modern Talking, Hitparade, Rondò Veneziano, Queen) und Hörspiele (TKKG, Die Drei ???) ab Kassette
  • Jass- und Spielabende auf der Terrasse
  • Neue Nachbarn (Zeugen Jehovas) mit biblischen Namen, besonderem Kleiderstil, anderen Ansichten, fehlenden Festtagen und eigenen Ritualen
  • Miss Lewis, die exotische Schönheit aus Barbados 
  • Die ersten Begegnungen und Berührungen mit dem weiblichen Geschlecht,... aus doof wurde interessant, schön, spannend und geil
  • Die tollen Geburtstags-, Weihnachts- und Silvesterfeste im engsten Familien- und Freundeskreis
  • Bange Stunden der Unsicherheit bei Krankheit, Unfall und Krankenhausaufenthalten
  • Tage des Terrors und Ärger mit dem eigenen Bruder
  • Tiefste Trauer, Verzweiflung und Perspektivlosigkeit nach dem plötzlichen Tod des Vaters
  • Stärke, Unterstützung, Kraft und bedingungslose Liebe der Mutter in schweren Zeiten
  • Erste Wohngemeinschaft mit dem Bruder
  • Alkohol- und Marihuana-Eskapaden von Menschen, die ich nicht mochte
  • Verabschiedungen und Loslassen von Familie und Freunden
  • Erste eigene Wohnung und echter Rückzugsort
  • Zahlreiche Stunden für Prüfungen und Studium
  • Sport und Naherholung im Dorf und angrenzenden Waldstück
  • Das Suchen, Finden und Gehen des eigenen Weges

Donnerstag, 20. April 2017

יהיה בסדר

[Yihye Beseder], möglicherweise das Letzte, das man in Israel von einem Israeli hören will.
Aber eine Aussage, die viel Inhalt hat und eigentlich immer eingesetzt wird.
„Alles wird gut“,… egal, was passiert, egal wie schlecht oder beängstigend etwas ist.

Sie sind auf der Autobahn unterwegs, die Reserve leuchtet seit 10 Minuten und das Navi zeigt die nächste Tankstelle in 100 km Entfernung an? -> [Yihye Beseder]
Sie sitzen im Strandcafé, schlürfen genüsslich eine eiskalte Limonana und im Hintergrund warnen Sirenen vor anfliegenden Raketen aus dem Gazastreifen? -> [Yihye Beseder]
Sie, und 200 andere Passagiere vor Ihnen, stehen im Abflugterminal des Ben Gurion Airport, Ihr Flug geht in exakt 60 Minuten und zwei Mossad Agenten beginnen jetzt erst mit den Einzelinterviews? -> [Yihye Beseder]

Israelis sind entspannte Menschen, es braucht wirklich viel, bis [Yihye Beseder] nicht mehr über die Lippen rutscht.
Und genau von dieser Lebenseinstellung könnte ich mir öfters eine Scheibe abschneiden.
Zum Beispiel jetzt, kurz vor dem Familienurlaub.
Ich bin angespannt, weil ich mich freue und weil ich noch etwas ungeübt bin, mit Sohnemann, Kinderwagen und komplettem Baby-Survival-Kit zu reisen.
Da Übung aber bekanntlich den Meister macht, und wir uns vor Herausforderungen nicht drücken, wagen wir uns in ein Flugzeug.
Meine Frau und ich fühlen uns bereits wie echte Draufgänger, da wir wissen, dass unser Sohnemann jedes uns bekannte Board-Entertainment in den Schatten stellen kann.
Wir wissen das sehr genau, da wir uns in den letzten Tagen und Wochen mehrmals davon überzeugen konnten/durften.
[Yihye Beseder]

Unser Sohn macht tolle Fortschritte und verfeinert zur Zeit den Einsatz seines Stimmorgans.
Diese neue Fähigkeit kombiniert er gerne mit dem Ausdruck seines unbändigen Willens.
Mit anderen Worten: Wenn er etwas nicht sofort, immer und ohne Gegenwehr bekommt, wird er laut. Sehr laut!
Kommt hinzu, dass er bei den Charaktereigenschaften „stur“, „zielorientiert“ und „ausdauernd“ ganz vorne dabei war.
Ein bockiger Esel wirkt gegen ihn wie ein Butler im Dienste der Majestät.
Könnte also unterhaltsam werden.
Für uns, die Crew und die geschätzten 200 anderen Mitreisenden.
Aber auch viereinhalb Stunden gehen irgendwann vorbei, vielleicht dauert es nur etwas länger.
[Yihye Beseder]

In 48 Stunden geht es gemeinsam nach Israel.
Für mich zum 6. Mal, für Sohnemann ist es eine Weltpremiere!
Das wird ein grosser Spass und ein noch grösseres Erlebnis.
Für alle.
Familie und Freunde freuen sich auch und können es kaum erwarten, den kleinen Mann endlich live zu sehen.
Nach Tel Aviv, die Stadt, die niemals schläft, geht es in den Norden nach Haifa.
Eine wunderschöne Stadt am Meer, in der sich Menschen aller Religionen locker und ungezwungen geben und das Leben geniessen.
Und zwar besser heute als morgen.
[Yihye Beseder]

Neben viel Familienzeit freue ich mich auf neue Dinge, die ich unbedingt anschauen und testen will.
Israel ist aufregend, laut, lebhaft und spannend!
Man kann es nicht beschreiben, man muss es erfahren, erleben, fühlen, mitmachen!
Und genau das wollen wir unserem Sohn ermöglichen.
Er soll die Welt entdecken, andere Kulturen, Sitten und Bräuche kennenlernen.
Genauso wie wir es früher durften und konnten.
[Yihye Beseder]