Sonntag, 26. Februar 2017

Lievito Madre - Ich erschuf Leben!

Hin und wieder stelle ich mich in der Küche neuen Herausforderung, da mich die Arbeit mit frischen Lebensmitteln entspannt und, sofern die Umsetzung gelingt, echten Genuss bietet.

„Wer geniesst, ist nie einsam. Man ist immer in Begleitung der Freude und der Sinnlichkeit. Und am Schluss gesellt sich noch die Zufriedenheit dazu.“

In Sachen Backen bin ich jedoch ein echtes Greenhorn,... zu unerfahren, zu ungeduldig und irgendwie zu phantasielos. Gerne überlasse ich die Herstellung von frischen Backwaren anderen Menschen, beispielsweise meiner Frau, die sich als echtes Improvisationstalent erweist oder Boumbelle, eine Künstlerin der Kulinarik, die aus frischen Zutaten unglaubliche Dinge zaubert.

Als ich vor ein paar Wochen bei Claudio Del Principe jedoch den Beitrag „Laib und Seele“ las, fand ich meine ganz persönliche Back-Herausforderung: Ein richtig gutes Brot, basierend auf einem Lievito Madre (Weizensauerteig nach italienischem Vorbild).




Um Nichts dem Zufall zu überlassen, hielt ich mich bei der Herstellung des Lievito Madre penibel an die Vorgaben von Claudio. In der Küche liess ich einen heimischen Apfel aus der Region bei Raumtemperatur reifen, bis er süsslich duftete und eine ledrige Haut hatte (diesen musste ich mehrfach hart verteidigen, da Frau, Schwiegermutter und Putzfrau das "schrumpelige" Ding dem Biomüll zuführen wollten). Nach knapp 14 Tagen schnitt ich den Apfel in grobe Schnitze, entfernte das Kerngehäuse, bedeckte ihn mit Wasser (Evian) und liess ihn in einer Schüssel (abgedeckt) 48 Stunden fermentieren.
"Bereits dieser erste Schritt ist ein kleines Wunder: Mikroorganismen wandeln organische Stoffe in eine süssliche, leicht alkoholische Lösung um und schaffen die perfekte Grundlage für den Lievito Madre."

Im zweiten Schritt ging es an den Aufbau bzw. die Fütterung. Hierfür goss ich 100 g Apfelwasser ab, mischte es mit 100 g Vollkornmehl und liess den Lievito Madre abgedeckt (mit perforierter Klarsichtfolie) während 12 Stunden bei 26 Grad reifen. Standort und Temperatur sind für die Entwicklung bzw. das weitere Überleben der Lievito Madre wichtig und entscheidend. Ist es zu kühl (unter 24 Grad), werden die Hefebakterien nicht aktiv, ist es zu warm (über 28 Grad), sterben diese ab. Ideale Bedingungen fand ich in der Ecke des Wohnzimmers, wo Bodenheizung und zwei Korkunterlagen für ein konstantes Klima sorgten. Nach den ersten 12 Stunden hatte sich das Volumen meiner Lievito Madre bereits verdoppelt und kleine Bläschen waren sichtbar. Stolz erfüllte Raum und Mensch!





So ging es die nächsten drei Tage weiter. Alle 12 Stunden fütterte ich den Lievito Madre mit 50 g Wasser und 50 g Vollkornmehl. Nach gut 60 Stunden war das zweite Wunder vollbracht: Ich erschuf eine Mutterhefe, die sich prächtig entwickelte und nach Leben roch. Voller Vorfreude schrieb ich Claudio und bat um seine Expertenmeinung.





Die erste Hürde war also geschafft, ich hatte den Segen des Experten und die perfekte Grundlage für ein Pane Pugliese con Lievito Madre. Nun geht es an's Backen... und darauf freue ich mich. Vorerst muss ich mir aber noch die korrekte Ausführung der Formgebung aneignen, da der hohe Wassergehalt es für Brotbackneulinge wie mich nicht einfach macht, das Brot überhaupt in Form zu bringen. Aber Claudio wäre nicht Claudio, wenn er hierfür keinen Tipp hätte. An dieser Stelle vielen Dank!!!



Freitag, 23. Dezember 2016

Seeliger Weihnachtspost

So,... Weihnachten 2016 steht vor der Tür,
nur noch ein paar Tage und dieses Jahr gehört der Vergangenheit an.
2016 war in vielerlei Hinsicht ein turbulentes Jahr!

Auf eine umfangreiche Zusammenfassung in Wort und Schrift möchte ich an dieser Stelle bewusst verzichten,... vielleicht nur soviel:

  • Wieder so ein Jahr vorbei, in dem ich mich von besonderen und inspirierenden Menschen verabschieden musste (R.I.P.)!
  • Wieder so ein Jahr vorbei, in dem radikale Idioten mit bestialischen Aktionen Angst, Unsicherheit und Schrecken verbreitet haben.
  • Wieder so ein Jahr vorbei, in dem ich zu oft auf dem falschen Fuss erwischt wurde.
  • Wieder so ein Jahr vorbei, in dem ich nicht alle persönlichen Zielsetzungen erreicht habe.
  • Wieder so ein Jahr vorbei, in dem sich meine Prioritäten verändert haben.
Abgesehen davon – und vielleicht gerade auch ein bisschen deshalb - war es ein besonderes, herausforderndes und unvergessliches Jahr.
Auf jeden Fall aber dank meiner Frau, die mir am 12. März 2016 einen kerngesunden und wunderschönen Sohn geschenkt hat!
Ich liebe beide aus tiefstem Herzen und freue mich, für diese einzigartigen Menschen Ehemann und Vater sein zu dürfen! Ein Privileg, das ich mir öfters vor Augen führen werde!
Auch beruflich war 2016 ein turbulentes Jahr: Restrukturierung, neue Funktion, neues Team, neue Herausforderungen! Nicht alles freiwillig, oft chaotisch und aus meiner Sicht zu einem sehr ungünstigen Moment, aber spannend und lehrreich, sowohl fachlich, als auch persönlich! Fakt ist, dass ich ohne Frau, Mentor und guten Beratern den Bettel im Frühling hingeschmissen hätte!
Und zu guter Letzt der eigene Körper, der mir immer öfters zu verstehen gibt, dass er älter wird und mehr Fürsorge/Ruhe braucht, gepaart mit dem Bedürfnis nach einem gesunden Lebensstil, bewusster Ernährung, ausreichend Bewegung und regelmässigen Routine-Checks bzw. Vorsorgeuntersuchungen!

Nun freue ich mich auf den bevorstehenden Jahresendurlaub und Weihnachten im Kreise von Familie und Freunden. Familie und Freunde sind das Wichtigste! Danach kommt lange nichts und was dann folgt ist ganz nett, aber sekundär!

Ihnen wünsche ich ein frohes Fest mit aufrichtigen, ehrlichen und lieben Menschen, viel Spass und unvergesslichen Momenten! À propos frohes Fest: Als Marketer liebe ich die Zusammenarbeit mit Firmen, die kreative Ideen entwickeln und diese professionell umsetzen. Firmen, bei denen der Mensch mehr zählt, als materielle Dinge oder persönliche Vorteile. Eine davon ist Futurelite... und die wünschten dieses Jahr wie folgt ein frohes Fest...!

Machen Sie's gut!

Man in Helvetica







Montag, 3. Oktober 2016

Urban. Hunt. 2016.

Letzten Freitag war ich einer von 7‘298 Gejagten in Zürich und offiziell registrierter Mitspieler beim «Urban. Hunt. 2016.».
Zurückgelegte Distanz: 11,1 km, überlebte Zeit: 02:23, Spassfaktor: unendlich


Den Entschluss, am grössten Mixed-Reality-Game der Welt teilzunehmen, fasste ich recht spontan.
Letzten Mittwoch installierte ich die App, am Donnerstag Abend packte ich meine Sportsachen und am Freitag, direkt nach Arbeitsende, machte ich mich auf den Weg in die Innenstadt.
Los ging es um 19.00 Uhr, mit 100 % Akkuleistung und 200 % Motivation.
Ich startete am Bellevue, am süd-östlichen Rand des virtuellen Spielgebietes, und starb 163 Minuten später einsam und verlassen im Foyer des Hotels Renaissance am nord-westlichen Rand des Spielfelds.
"Game over" infolge Verlassen des Spielfeldes, angeschlagener Gesundheit aus einem mächtigen Sturm und verpasster Aktivierung noch verfügbarer Health-Packs.
Dazwischen jeden Checkpoint abgegriffen, in drei Safehouses eingecheckt und geschwitzt wie in der finnischen Sauna.
Es war ein Höllenritt quer durch die ganze Stadt, bewaffnet mit 2 Power-Packs rannte ich über 2 Stunden um mein virtuelles Leben.
Vor Augen immer den Feind (Jäger im Mercedes), Fallen, Naturkatastrophen, Mitspieler, Verkehr, kürzeste Route, verfügbare Gadgets und den eigenen Akkustand.
Ausreichend Akku ist bei diesem genialen Mixed-Reality-Game matchentscheidend, die App säuft infolge permanenter GPS-Lokalisierung wie ein Panzer im Gefechtsmodus.
Urban. Hunt. ist Spass und Anstrengung pur, ich lernte witzige Leute kennen und war überrascht, dass es im realen Leben keine Verletzte (oder sogar Tote!) gab, weil viele jegliche Verkehrsregeln missachteten.
Ganz kritisch war das Spielgebiet in der Langstrasse und bei der Europaallee: lange Strecken, kaum Ausweichmöglichkeiten und viel motorisierter Verkehr.
Etwas übersichtlicher und dunkler, aber nicht weniger gefährlich, wurde es beim Sihlquai. Hier verkleinerten Naturkatastrophen das verfügbare Spielgebiet und erschwerten das Überleben.
Meine letzten Kilometer bei der Hardbrücke waren „Leben am Limit“, die zunehmende Intensität der Geschehnisse verkündete langsam aber sicher das bevorstehende Spielende.

Nächstes Jahr werde ich wieder dabei sein...!



Donnerstag, 29. September 2016

Nina

Im Rahmen eines Family Forum Events habe ich heute Mittag Nina kennengelernt. Thema des Events: «Selbstbestimmung bis zum Schluss – Wer heute vorsorgt, braucht sich morgen nicht zu sorgen.»

Nina ist 35 Jahre alt, verheiratet und eine echte Powerfrau.
Seit Juli 2015 sind die Zwillinge Frederik und Charlotte ihr ganzer Stolz.
Ab Oktober wagt sie den Wiedereinstieg in die Arbeitswelt,
als Buchhalterin, mit einem Arbeitspensum von 50 %.

Martin ist ihr Ehemann.
38 Jahre alt, selbständiger Versicherungsberater.
Gemäss Nina ein gesundheitsbewusster Mensch, der die Natur liebt.
Martin erlitt am 20. Dezember 2015, aus heiterem Himmel, einen Herzinfarkt.
Bis der Rettungswagen eintraf, dauerte es eine halbe Stunde.
Seit Januar 2016 liegt Martin im Koma,
hängt an Maschinen, wird künstlich ernährt.
Die Ärzte wagen keine Prognose, wissen nicht, wie seine Zukunft aussieht.

Nina erzählte uns ihr Schicksal,... ruhig, detailliert, mit vielen Emotionen.
Wir standen den Tränen nahe, konnten das Erzählte kaum begreifen,
den Schmerz, die Ungewissheit und Verzweiflung nachfühlen.
Wir staunten, wie Nina ihr Leben (weiter)lebt.

Nina ging durch die Hölle, verlor nicht nur den Lebensmut, sondern auch 15 kg Gewicht,
heulte die Nächte durch, um tagsüber genug Kraft für den Alltag und die Kinder zu haben.
Ende März 2016 packte sie die wichtigsten Sachen aus dem eigenen Haus, zog zurück zu ihren Eltern. Im Eigenheim mit Garten stecke zu viel Arbeit, zu viele Erinnerungen an gemeinsame, glückliche Stunden.

Ihre Eltern sind der Fels in der Brandung, psychisch und finanziell, geben ihr Kraft und helfen mit, die Kinder gross zu ziehen.
Nächsten Montag geht Nina wieder arbeiten, um die Familie über die Runden zu bringen.
Und Nina will wieder arbeiten, um sich abzulenken, auf andere Gedanken zu kommen.

Täglich fährt Nina zu Martin ans Krankenbett, erzählt ihm vom Alltag, den Kinder, von ihren Ängsten und Sorgen. Und jeden Tag wünscht sie sich ein Zeichen, eine Reaktion von Martin.
Die Kinder vermissen ihren Vater, Nina ihren Mann, Freund und Partner.
Dem Menschen, dem sie vor etwas mehr als sechs Jahren das Jawort gegeben hat,
in guten und schlechten Zeiten, bis der Tod sie scheidet.

Ich bewundere Nina und verfluche das Schicksal.
Gleichzeitig mache ich mir Gedanken zu meinen persönlichen Vorsorgeanweisungen...!

Montag, 19. September 2016

Auf Wilhelm Tells Spuren

Ich musste tatsächlich 39 Jahre alt werden, bevor ich mich auf die Spuren unseres Schweizer Freiheitshelden Wilhelm Tell begab, von dem man bis heute übrigens nicht weiss, ob er eine Legende oder ein Mythos ist.

Während meine Frau im Rahmen eines Klassenlagers an einem Waldschulprojekt in Altdorf UR teilnahm, nahm ich spontan eine Woche Urlaub, schnappte mir Sohn, Babymaterial, Fotoausrüstung und leichtes Gepäck, um sie zu begleiten und nebenbei die historische Berglandschaft rund um den Urnersee zu erkunden. Ziele waren mir bis anhin noch unbekannte Orte wie Altdorf, Bürglen, Flüelen, Küssnacht am Rigi und Sisikon, wo man bis heute historische Spuren von Wilhelm Tell finden kann. Bei bestem Sommerwetter, und mit viel Zeit im Gepäck, gingen wir jeweils am frühen Vormittag los, um gemeinsam in die Schweizer Geschichte einzutauchen

Bis letzte Woche war die Innerschweiz - und insbesondere die Urkantone Uri, Schwyz und Unterwalden (Ob- und Nidwalden) - für mich nicht viel mehr als eine Grossregion auf der Schweizer Landkarte oder ein historisches Kapitel in Schweizer Geschichtsbüchern. Dies hat sich rasch geändert und ich bin froh, diese persönliche Wissenslücke geschlossen zu haben. Es war nicht nur eine tolle Erfahrung, sondern ganz einfach eine erholsame Urlaubswoche im eigenen Land mit vielen Erlebnissen.

Los ging es am frühen Sonntagnachmittag (04.09.2016), über den Sattel nach Schwyz weiter in den Urkanton Uri. Ab Morschach begrüsste uns das wunderschöne Blau des Vierwaldstättersees und freie Sicht auf die prächtige Innerschweizer Bergwelt. Später erfuhr ich, dass wir uns auf dem «Weg der Schweiz» bewegten, welcher im Rahmen der 700-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft erstellt wurde und allerlei historische Etappenorte beinhaltet.

Blick auf den Vierwaldstättersee bei Morschach


1. Etappenziel: Unterkunft Moosbad
Erstes Etappenziel war die Unterkunft des Klassenlagers in Flüelen-Altdorf, welches in den vierziger Jahren Teil eines Militärspitals und während dem 2. Weltkrieg als solches betrieben wurde. Später dienten die Holzbaracken als Lager und Betriebsstätten für die Armeeapotheke und wurden schrittweise für die gewerbliche und zivile Nutzung umfunktioniert. Alles sehr, sehr einfach, aber funktional und passend für eine abenteuerliche Woche auf Wilhelm Tells Spuren.

Lagerunterkunft in Flüelen-Altdorf
Leiterzimmer und Erinnerungen an den Militärdienst...
... im Speisesaal...
... und Küche der Unterkunft.


2. Etappenziel: Altdorf UR
Der beschauliche Hauptort des Kantons Uri präsentiert sich mit prächtigen Herrenhäuser, verwinkelten Gassen, dem ältesten Kapizinerkloster der Schweiz und ist gemäss Friedrich Schiller Schauplatz des Apfelschusses von Wilhelm Tell. Nachdem sich dieser weigerte, den Hut von Reichsvogt Hermann Gesslers zu grüssen, wurde er zur Strafe gezwungen, seinem Sohn Walter auf dem Marktplatz einen Apfel vom Kopf zu schiessen. Heute steht an besagter Stelle das ehrwürdige Telldenkmal, eine Bronzestatue von Richard Kissling aus dem Jahre 1895.

Telldenkmal (Wilhelm mit Sohn Walter)
Zeughaus in Altdorf
Durchfahrtsstrasse in Altdorf


3. Etappenziel: Bürglen UR
Bürglen gilt als Heimat von Wilhelm Tell, ist ein typisches Bergdorf mit hübschen Häusern und ganz urigen Einwohnern, die allesamt einen sehr speziellen Dialekt reden. Sehenswert ist der alte Dorfkern und das Tell-Museum mit allerlei Dokumenten, Objekten und Darstellungen des Schweizer Nationalhelden.

Tell-Museum im Wattigwylerturm aus dem 13. Jahrhundert


4. Etappenziel: Flüelen UR
Am südlichen Ende des Vierwaldstättersees, zwischen der Einmündung der Reuss und der gewaltigen Bergkette des Rophaien, liegt Flüelen. Besonders imposant ist die 400 Meter hohe Felswand des Axen, der steile Bannwald und das mit Ausbruchmaterial des Gotthard-Basistunnels künstlich aufgeschüttete Reussdelta. Hier findet man die Badeinseln Lorelei und wunderschöne Grillplätze für lauschige Sommerabende.

Flüelen und die Bergkette des Rophaien
Blick auf den Vierwaldstättersee
Beim Reussdelta
Abendstimmung bei den Badeinseln Lorelei



5. Etappenziel: Küssnacht am Rigi SZ
Am nordöstlichen Arm des Vierwaldstättersees liegt Küssnacht am Rigi, eine schöne Gemeinde im Herzen der Schweiz. Und genau hier findet man noch heute die historische Stätte, in welcher Wilhelm Tell 1307 den habsburgischen Landvogt Hermann Gessler erschossen haben soll. Dank Spendensammlungen konnte die Hohle Gasse bis heute erhalten werden und wurde 2004/2005 sogar mit einem behindertengerechten Weg ergänzt. Am oberen Ende der Hohlen Gasse steht die Tellskapelle aus dem Jahre 1638, welche unter dem Vordach Gesslers Tod auf einem Gemälde zeigt.

Tellskapelle am Ende der Hohlen Gasse
"Durch diese hohle Gasse muss er kommen. Es führt kein anderer Weg nach Küssnacht."


6. Etappenziel: Sisikon UR
Sisikon, das Tor zum Kanton Uri, liegt direkt am Vierwaldstättersee und ist Standort der Tellskappelle an der berühmten Tellsplatte. Gemäss Sage gelang Wilhelm Tell hier die Flucht, nachdem er in Altdorf in Ketten gelegt wurde und nach Küssnacht am Rigi in die Burg von Hermann Gessler hätte gebracht werden sollen. Die 1879/1880 erbaute Kapelle ist über ein paar Stufen gut erreichbar und zeigt vier Fresken der Tell-Sage: Apfelschuss, Tellsprung, Gesslers Tod in der Hohlen Gasse und den Rütlischwur.

Tellskapelle bei der Tellsplatte
Freske "Der Tellsprung"
Blick in die Tellskapelle


Alles in allem eine tolle Urlaubswoche mit viel Schweizer Geschichte. Eigentlich hätte ich diese Tour schon viel früher machen sollen, aber irgendwie findet man ja immer Gründe, den Urlaub im Ausland zu verbringen, statt sich die Sehenswürdigkeiten im eigenen Land anzuschauen. Und eine weitere Erkenntnis: Klassenlager sind im Erwachsenenalter eine wirklich interessante Erfahrung. Man fühlt sich neben 14-jährigen Schülern automatisch alt, kann der heranwachsenden Generation beim Nachtessen, am Lagerfeuer oder auf den Arbeitsplätzen im Wald jedoch etwas mit auf den Weg geben und alle Freiheiten geniessen.


Mittwoch, 31. August 2016

42,195 km - Mit Kind und Wagen

Zugegeben, es war nicht leicht,
aber man gewöhnt sich daran!

Man gewöhnt sich, mit Kind (ca. 9 kg) und Jogger (15,7 kg) über Stock und Stein zu rennen,
und dabei nicht wie ein Laufanfänger mit akuten Parkinson-Schüben auszusehen.
Auf den ersten Laufrunden habe ich festgestellt, dass Laufen und gleichzeitiges Führen des Joggers enorme koordinative Fähigkeiten voraussetzt,
um einen koordinierten Bewegungsablauf ohne bleibende Folgeschäden für den eigenen Bewegungsapparat hinzubringen.
Von den gestiegenen Herausforderungen an die eigene Muskelkraft und sportliche Ausdauer ganz zu schweigen.
Die ersten Kilometer waren eine Tortur für Mensch, Material und Umwelt!
Von unkontrollierten Richtungsänderungen bis hin zu unbeabsichtigten Bremsmanövern und peinlichen Beinahe-Kollisionen mit betagten Nordic Walking Gruppen war alles dabei.
Auch mehrere Schnecken und Käfer mussten - im wahrsten Sinne des Wortes - unten durch.
Aber so ist das Leben,… ein Güterzug in voller Fahrt kann halt nicht mal eben so ausweichen
und kommt schon gar nicht innerhalb 500 Metern zum vollständigen Stillstand!

Mit Kind und Wagen auf dem Trail - Quality time pur!

Wie auch immer, die Laufrunden mit meinem Sohn werden immer besser,
obwohl er als Pacemaker regelmässig auf der ganzen Linie versagt!
Noch bevor wir gemeinsam das nahegelegene Naturschutzgebiet erreichen, schlummert er friedlich im Wagen und zählt Schäfchen.
Ich nehme es ihm aber nicht übel, gross und stark werden muss enorm anstrengend sein.

Den Jogger (Model Hartan Skater GT) lieben wir beide über alles,
obwohl er ganz anders ist, als der stylische Citycruiser (Model Stokke Xplory) mit funktionalem Design.
Die einstellbare Federung, das wendige Einzelschwenkrad und superleichte Gewicht sind ideal für Laufrunden in unwegsamen Gelände oder kleine Nickerchen bei +/- 10 km/h.
Nur die Feststellbremse 'Wippmatic' ist kompletter Schwachsinn, da sie an ungünstigster Stelle montiert ist.
Durch meine Schrittlänge kam es mehr als einmal vor, dass ich im Lauf versehentlich auf den Wipper stand und beinahe kopfüber über den Wagen flog.
Solche Erfahrungen zeigen mir, dass Ingenieure und Designer von modernen Kinderwagen keine Läufer sind.
Oder Kleinwüchsige, die keine Ahnung haben, mit welchen Problemen sich ein Mensch > 185 cm rumschlagen muss.

Geschafft, erste gemeinsame Marathondistanz!

Fakt ist: Wir sammeln fleissig Kilometer und haben gestern die erste Marathondistanz voll gemacht.
42,195 km vor der eigenen Haustüre, mit besten Trainingsbedingungen.
So darf es gerne weitergehen…!