Freitag, 12. Januar 2018

Des Mannes liebstes Kind

Heute Morgen habe ich einen seltenen Moment erlebt, als ich im Zürcher Berufsverkehr einen dunkelgrünen Talbot-Matra Rancho X erblickte. Genau so einen, wie ihn meine Eltern in den späten 80er Jahren besassen. Schon damals war dieses Freizeitauto eher selten, wir waren meines Wissen weit und breit die Einzigen, die damit rumkurvten. Durch seine Farbe und der wuchtigen Erscheinung wirkte unsere Familienkutsche wie aus dem Restbestand eines militärischen Fuhrparks. Der Rancho war ein Lastesel, hatte unglaublich viel Platz und das Reisen auf der breiten Rückbank, das eher einem Sofa glich, war phänomenal bequem. Gerne erinnere ich mich an die langen Fahrten nach Marseillan, wo für uns jeweils die Hausboot-Ferien auf dem Canal du Midi sowie der Étang de Thau begannen.

Einige Jahre später schafften sich meine Eltern einen neuen Toyota Corolla Spacewagon in silber metallic an. In Sachen Design, Ausstattung und Komfort war der Japaner ein echter Quantensprung. Und mit diesem Auto absolvierte ich dann 1995, auf einem leeren Parkplatz eines Einkaufszentrums, meine ersten Meter hinter dem Steuerrad. An der Heckklappe das blaue L für Lernfahrer. Für mich eine aufregende Erfahrung mit weichen Knien,... für meine Mum eine nervtötende Reitstunde mit durchgeschwitzer Bluse... und für den Toyota der Beginn eines leidvollen Endes (die Kupplung lässt grüssen).

Im März 1996 hatte ich meinen Führerschein definitiv in der Tasche (die obligatorischen Fahrstunden absolvierte ich mit einem bordeauxroten Peugeot 405) und machte mir, wie jeder Neulenker, erste Gedanken über ein eigenes Auto. Da der Toyota alles andere als jugendlich und cool war, fädelte ich gemeinsam mit meinem Bruder einen Deal ein und war kurz darauf stolzer Co-Besitzer eines Renault R5 GTE in silber metallic. Eine französische Rennsemmel par excellence, die unsere Erwartungen weit übertraf, da sie noch ein paar versteckte Mängel mitbrachte, die wir so nicht auf dem Neulenker-Radar hatten. Das automobile Ende wurde jedoch in die Wege geleitet, als mein Bruder den Wagen in einer Nacht- und Nebelaktion zu einem befreundeten Hobbyschrauber schleppte, um ihn ein paar Zentimeter tiefer zu legen. Fazit: Sah spitzenmässig aus, hatte aber erhebliche Konsequenzen für Mensch und Maschine. Bei Vollbesetzung schleifte es in allen Radkästen, bei schneebedeckten Strassen übernahm der Renault die Aufgaben des Winterräumdienstes (unter der Frontschürze hatte eine liegende Zigarettenschachtel gerade noch so Platz) und jeder Schweller erforderte ein Stop & Go Manöver. Für den Alltagsverkehr und die Bandscheiben wurde der Renault rasch einmal unbrauchbar und kurz darauf in die Ostschweiz verkauft. An einen unerfahrenen Neulenker, der sein erstes Auto suchte und sich Hals über Kopf in unsere Kiste verliebte.

Als Nachfolger wurde erneut ein Franzose evaluiert. Ein Peugeot 306 GTi in schwarz metallic und Originalzustand: 2 Liter Maschine, 4 Zylinder, 16 Ventile, 163 PS, knackiges 6-Gang Schaltgetriebe und sportliche Fahrwerksabstimmung. Alles vom Feinsten, bis auf den Umstand, dass ich dieses Auto immer noch mit meinem Bruder teilen musste.

Dank familiären Beziehungen war ich wenig später stolzer Besitzer einer eigenen Karre, ein dunkelgrüner VW Golf II GT aus Deutschland (Importfahrzeug). Tolles Auto, markantes Design, leichte Tieferlegung ab Werk, 90 PS und Breitreifen auf 14" BBS-Felgen. Entgegen meiner Meinung gefiel der Golf jedoch nicht allen. Meine damalige Freundin setzte ihn im Kreisverkehr schwungvoll in den Vordermann und rief mich danach leicht paralysiert an. Den Golf sah ich danach nur noch, um meine Kontrollschilder abzuholen.

Als Not- und Überbrückungslösung durfte ich danach kurzzeitig das Auto ihrer Mum fahren, einen weissen Mazda 121 II. Eine japanische Designkatastrophe auf vier Rädern. Der Kugelblitz hatte null Sexappeal, hing bei 7'000 Umdrehungen jedoch ordentlich am Gas. Als Beweis folgten bald einmal gestochen scharfe Bildlichtaufnahmen, welche die Polizei innerorts machte. Von mir. Im Mazda 121. Und 72 km/h auf der Uhr. Nach Abzug aller Toleranzwerte hatte ich mir ein bürokratisches Desaster eingehandelt und die erste Anzeige inkl. Bussgeldbescheid von etwas über 900 Franken im Briefkasten. Den Mazda war ich natürlich auch los.

Zu Vorzugskonditionen kaufte ich mir dann sofort einen neuen Peugeot 206 GTi in silbergrau metallic, liess eine ordentliche Auspuffanlage aus dem Hause REMUS anbauen, legte das Fahrwerk tiefer und holte bei RONAL in Härkingen todschicke 18" Design LZ Felgen ab. Der 206 GTi war danach ein echtes Schmuckstück und liess sich wie ein Go-Kart fahren. Mit zunehmender Vernunft dachte ich jedoch immer lauter über 5 Türen, mehr Laderaum und Sicherheit nach. Ersatz musste her.

4 Jahre später, im Sommer 2003, wurde ich Besitzer eines schwarzen Kombis aus dem Hause Volvo und hatte mit dem V40 T4 meinen ersten Turbo unter dem Hintern. Dieses Automobil zündete bei 2'500 Umdrehungen den Nachbrenner und ging ab wie eine Rakete. Der Volvo war ein gutes und vernünftiges Auto. Aufpassen musste man gemäss Hinweisen in zahlreichen Foren lediglich mit den Zylinderkopfdichtungen, die ab 100'000 km gerne mal Probleme machen und beim Freundlichen dann viel Geld kosten. Ersatz zeichnete sich ab, denn ich näherte mich schnell der erwähnten Marke.

Im Kalenderjahr 2007 stellte ich den Volvo V40 T4 mit knapp 110'000 km beim BMW Händler meines Vertrauens auf den Platz und freute mich auf mein brandneues 335i E92 Coupé in spacegrau metallic mit allen Ausstattungsoptionen (das waren viele!) und sagenhaften 306 Pferden aus 3 Litern Hubraum und 6 Zylindern. Himmel, Arsch und Zwirn, ich war im automobilen Himmel angekommen! Alleine das sanfte Wummern aus den zwei Endrohren war ein Erlebnis für Körper und Geist. Erstmals durfte ich erfahren, was "Freude am Fahren" wirklich bedeutet. Dieses 335i Coupé war ein wahr gewordener Traum,... ausser im Winter, bei schneebedeckten Strassen!

Mein BMW 335i Coupé richtig in Szene gesetzt (Photocredit: Pascal Greuter)

Nachdem ich das 335i Coupé am 30.09.2013 für 18'500 Kröten an einen Junglenker mit Balkanwurzeln verkaufte, folgte mit dem 120d Cabrio (E88) mein erstes "oben ohne" Fahrzeug in saphirschwarz metallic. Kaufpreis: CHF 37'690.00, Erstzulassung 29.10.2012 und 1'490 km auf der Uhr. Das Cabriolet war Freiheit pur, sehr überschaubar, gemütlich und extrem entspannt. Dank Lenkrad-/Sitzheizung und Windschott konnte man sogar im Winter oben ohne rumcruisen und die Freiheit geniessen. Als Zweitwagen und für Last-/Schwertransporte, d.h. Grosseinkauf, konnte ich auf den BMW X3 3.0d (E83) meiner Frau zurückgreifen. Dies kam leider öfters vor, denn offenes Verdeck und montiertes Windschott begrenzten die freie Ladefläche extrem. Eigentlich war es ein reines Spassmobil, mit dem wir nicht viel mehr als 18'000 km zurücklegten.

Vor der Geburt unseres 2. Sohnes verkauften wir im Frühling 2017 beide Bajuwaren und investierten in eine neue Familienkutsche aus dem Hause Daimler AG, einen Mercedes-Benz GLE 350d 4MATIC (W166) in obsidianschwarz metallic mit AMG-Designkit. Sicherheit, Komfort, Assistenzsysteme und Raumangebot waren nun viel wichtiger als hohe Drehzahl, grosser Hubraum oder spassige Gadgets. Und bis heute hat sich der Mercedes-Benz GLE jeder Herausforderung gestellt, die wir auf kleinen Fluchten, grossen Abenteuern und allen Momenten dazwischen als Familie erleben.


Dienstag, 9. Januar 2018

Reise in die Vergangenheit

Am 16. Dezember 2017 war ich, nach langer, langer Zeit, wieder einmal in der "alten" Heimat. Dort, wo ich meine eigenen Kindheits- und Jugendjahre (1982 - 2004) verbracht und zahlreiche Dinge erlebt, angestellt und verarbeitet habe.


Irgendwie verrückt, die Vergangenheit war sofort präsent, auch wenn sich vor Ort vieles verändert hat und eigentlich kein Stein mehr auf dem anderen steht. Einzig das ehemalige Quartier lässt sich im Ansatz noch genauso erkennen, wie ich es als Kind, Teenager und junger Erwachsener wahrgenommen habe und weckte zahlreiche Erinnerungen:
  • Der kurze Schulweg, der in den ersten Jahren noch durchs Oberdorf führte und später ins nähergelegene Schulareal (Luftlinie 400 m)
  • Die vielen Stunden draussen zum Spielen (Softball-Tennis, Basketball, Strassenhockey, Verstecken im Maisfeld, Cowboy & Indianer, Drachenfliegen, Bumerang, etc.) mit den Nachbarskindern (Pascal, Patrick, Thomas, Roland, Marianne, Rebekka, Raffael, Martin, Res, Manfred, etc.)
  • Die kalten Tage im Winter, wenn vor dem Haus Iglus, Schneemänner oder Eiskanäle für den Bob gebaut wurden, heftige Schneeballschlachten stattfanden oder wir auf dem Hügel bei der Kirche stundenlang Schlitten gefahren sind
  • Die vielen Dummheiten (Böller in Briefkästen, Hundehaufen vor Türen, brennende Abfallcontainer, Eier an Hauswänden, etc.), die man in der näheren Umgebung angestellt hat und später lückenlos gestehen musste, da Mum infolge aufmerksamen Nachbarn stets bestens informiert war
  • Die langen Abende im Sommer, wenn Dad mit den Nachbarn den Grill anwarf und bis spät in die Nacht gequatscht wurde
  • Die verhasste Gartenarbeit, aber auch Erinnerungen an blühende Sträucher und Blumenbeete
  • Die Mithilfe bei der nicht immer geliebten Heimarbeit
  • Das grosse Eisenbahnzimmer meines Vaters
  • Die zahlreichen Stunden des Lernens im eigenen Kinderzimmer, aber auch x Stunden am Amiga 500 (Barbarian!), XXL-Dominobahnen durch die ganze Wohnung oder Lego-Technik vom Feinsten.
  • Starschnitte aus der BRAVO, laute Musik (Modern Talking, Hitparade, Rondò Veneziano, Queen) und Hörspiele (TKKG, Die Drei ???) ab Kassette
  • Jass- und Spielabende auf der Terrasse
  • Neue Nachbarn (Zeugen Jehovas) mit biblischen Namen, besonderem Kleiderstil, anderen Ansichten, fehlenden Festtagen und eigenen Ritualen
  • Miss Lewis, die exotische Schönheit aus Barbados 
  • Die ersten Begegnungen und Berührungen mit dem weiblichen Geschlecht,... aus doof wurde interessant, schön, spannend und geil
  • Die tollen Geburtstags-, Weihnachts- und Silvesterfeste im engsten Familien- und Freundeskreis
  • Bange Stunden der Unsicherheit bei Krankheit, Unfall und Krankenhausaufenthalten
  • Tage des Terrors und Ärger mit dem eigenen Bruder
  • Tiefste Trauer, Verzweiflung und Perspektivlosigkeit nach dem plötzlichen Tod des Vaters
  • Stärke, Unterstützung, Kraft und bedingungslose Liebe der Mutter in schweren Zeiten
  • Erste Wohngemeinschaft mit dem Bruder
  • Alkohol- und Marihuana-Eskapaden von Menschen, die ich nicht mochte
  • Verabschiedungen und Loslassen von Familie und Freunden
  • Erste eigene Wohnung und echter Rückzugsort
  • Zahlreiche Stunden für Prüfungen und Studium
  • Sport und Naherholung im Dorf und angrenzenden Waldstück
  • Das Suchen, Finden und Gehen des eigenen Weges

Donnerstag, 20. April 2017

יהיה בסדר

[Yihye Beseder], möglicherweise das Letzte, das man in Israel von einem Israeli hören will.
Aber eine Aussage, die viel Inhalt hat und eigentlich immer eingesetzt wird.
„Alles wird gut“,… egal, was passiert, egal wie schlecht oder beängstigend etwas ist.

Sie sind auf der Autobahn unterwegs, die Reserve leuchtet seit 10 Minuten und das Navi zeigt die nächste Tankstelle in 100 km Entfernung an? -> [Yihye Beseder]
Sie sitzen im Strandcafé, schlürfen genüsslich eine eiskalte Limonana und im Hintergrund warnen Sirenen vor anfliegenden Raketen aus dem Gazastreifen? -> [Yihye Beseder]
Sie, und 200 andere Passagiere vor Ihnen, stehen im Abflugterminal des Ben Gurion Airport, Ihr Flug geht in exakt 60 Minuten und zwei Mossad Agenten beginnen jetzt erst mit den Einzelinterviews? -> [Yihye Beseder]

Israelis sind entspannte Menschen, es braucht wirklich viel, bis [Yihye Beseder] nicht mehr über die Lippen rutscht.
Und genau von dieser Lebenseinstellung könnte ich mir öfters eine Scheibe abschneiden.
Zum Beispiel jetzt, kurz vor dem Familienurlaub.
Ich bin angespannt, weil ich mich freue und weil ich noch etwas ungeübt bin, mit Sohnemann, Kinderwagen und komplettem Baby-Survival-Kit zu reisen.
Da Übung aber bekanntlich den Meister macht, und wir uns vor Herausforderungen nicht drücken, wagen wir uns in ein Flugzeug.
Meine Frau und ich fühlen uns bereits wie echte Draufgänger, da wir wissen, dass unser Sohnemann jedes uns bekannte Board-Entertainment in den Schatten stellen kann.
Wir wissen das sehr genau, da wir uns in den letzten Tagen und Wochen mehrmals davon überzeugen konnten/durften.
[Yihye Beseder]

Unser Sohn macht tolle Fortschritte und verfeinert zur Zeit den Einsatz seines Stimmorgans.
Diese neue Fähigkeit kombiniert er gerne mit dem Ausdruck seines unbändigen Willens.
Mit anderen Worten: Wenn er etwas nicht sofort, immer und ohne Gegenwehr bekommt, wird er laut. Sehr laut!
Kommt hinzu, dass er bei den Charaktereigenschaften „stur“, „zielorientiert“ und „ausdauernd“ ganz vorne dabei war.
Ein bockiger Esel wirkt gegen ihn wie ein Butler im Dienste der Majestät.
Könnte also unterhaltsam werden.
Für uns, die Crew und die geschätzten 200 anderen Mitreisenden.
Aber auch viereinhalb Stunden gehen irgendwann vorbei, vielleicht dauert es nur etwas länger.
[Yihye Beseder]

In 48 Stunden geht es gemeinsam nach Israel.
Für mich zum 6. Mal, für Sohnemann ist es eine Weltpremiere!
Das wird ein grosser Spass und ein noch grösseres Erlebnis.
Für alle.
Familie und Freunde freuen sich auch und können es kaum erwarten, den kleinen Mann endlich live zu sehen.
Nach Tel Aviv, die Stadt, die niemals schläft, geht es in den Norden nach Haifa.
Eine wunderschöne Stadt am Meer, in der sich Menschen aller Religionen locker und ungezwungen geben und das Leben geniessen.
Und zwar besser heute als morgen.
[Yihye Beseder]

Neben viel Familienzeit freue ich mich auf neue Dinge, die ich unbedingt anschauen und testen will.
Israel ist aufregend, laut, lebhaft und spannend!
Man kann es nicht beschreiben, man muss es erfahren, erleben, fühlen, mitmachen!
Und genau das wollen wir unserem Sohn ermöglichen.
Er soll die Welt entdecken, andere Kulturen, Sitten und Bräuche kennenlernen.
Genauso wie wir es früher durften und konnten.
[Yihye Beseder]

Sonntag, 26. Februar 2017

Lievito Madre - Ich erschuf Leben!

Hin und wieder stelle ich mich in der Küche neuen Herausforderung, da mich die Arbeit mit frischen Lebensmitteln entspannt und, sofern die Umsetzung gelingt, echten Genuss bietet.

„Wer geniesst, ist nie einsam. Man ist immer in Begleitung der Freude und der Sinnlichkeit. Und am Schluss gesellt sich noch die Zufriedenheit dazu.“

In Sachen Backen bin ich jedoch ein echtes Greenhorn,... zu unerfahren, zu ungeduldig und irgendwie zu phantasielos. Gerne überlasse ich die Herstellung von frischen Backwaren anderen Menschen, beispielsweise meiner Frau, die sich als echtes Improvisationstalent erweist oder Boumbelle, eine Künstlerin der Kulinarik, die aus frischen Zutaten unglaubliche Dinge zaubert.

Als ich vor ein paar Wochen bei Claudio Del Principe jedoch den Beitrag „Laib und Seele“ las, fand ich meine ganz persönliche Back-Herausforderung: Ein richtig gutes Brot, basierend auf einem Lievito Madre (Weizensauerteig nach italienischem Vorbild).




Um Nichts dem Zufall zu überlassen, hielt ich mich bei der Herstellung des Lievito Madre penibel an die Vorgaben von Claudio. In der Küche liess ich einen heimischen Apfel aus der Region bei Raumtemperatur reifen, bis er süsslich duftete und eine ledrige Haut hatte (diesen musste ich mehrfach hart verteidigen, da Frau, Schwiegermutter und Putzfrau das "schrumpelige" Ding dem Biomüll zuführen wollten). Nach knapp 14 Tagen schnitt ich den Apfel in grobe Schnitze, entfernte das Kerngehäuse, bedeckte ihn mit Wasser (Evian) und liess ihn in einer Schüssel (abgedeckt) 48 Stunden fermentieren.
"Bereits dieser erste Schritt ist ein kleines Wunder: Mikroorganismen wandeln organische Stoffe in eine süssliche, leicht alkoholische Lösung um und schaffen die perfekte Grundlage für den Lievito Madre."

Im zweiten Schritt ging es an den Aufbau bzw. die Fütterung. Hierfür goss ich 100 g Apfelwasser ab, mischte es mit 100 g Vollkornmehl und liess den Lievito Madre abgedeckt (mit perforierter Klarsichtfolie) während 12 Stunden bei 26 Grad reifen. Standort und Temperatur sind für die Entwicklung bzw. das weitere Überleben der Lievito Madre wichtig und entscheidend. Ist es zu kühl (unter 24 Grad), werden die Hefebakterien nicht aktiv, ist es zu warm (über 28 Grad), sterben diese ab. Ideale Bedingungen fand ich in der Ecke des Wohnzimmers, wo Bodenheizung und zwei Korkunterlagen für ein konstantes Klima sorgten. Nach den ersten 12 Stunden hatte sich das Volumen meiner Lievito Madre bereits verdoppelt und kleine Bläschen waren sichtbar. Stolz erfüllte Raum und Mensch!





So ging es die nächsten drei Tage weiter. Alle 12 Stunden fütterte ich den Lievito Madre mit 50 g Wasser und 50 g Vollkornmehl. Nach gut 60 Stunden war das zweite Wunder vollbracht: Ich erschuf eine Mutterhefe, die sich prächtig entwickelte und nach Leben roch. Voller Vorfreude schrieb ich Claudio und bat um seine Expertenmeinung.





Die erste Hürde war also geschafft, ich hatte den Segen des Experten und die perfekte Grundlage für ein Pane Pugliese con Lievito Madre. Nun geht es an's Backen... und darauf freue ich mich. Vorerst muss ich mir aber noch die korrekte Ausführung der Formgebung aneignen, da der hohe Wassergehalt es für Brotbackneulinge wie mich nicht einfach macht, das Brot überhaupt in Form zu bringen. Aber Claudio wäre nicht Claudio, wenn er hierfür keinen Tipp hätte. An dieser Stelle vielen Dank!!!



Freitag, 23. Dezember 2016

Seeliger Weihnachtspost

So,... Weihnachten 2016 steht vor der Tür,
nur noch ein paar Tage und dieses Jahr gehört der Vergangenheit an.
2016 war in vielerlei Hinsicht ein turbulentes Jahr!

Auf eine umfangreiche Zusammenfassung in Wort und Schrift möchte ich an dieser Stelle bewusst verzichten,... vielleicht nur soviel:

  • Wieder so ein Jahr vorbei, in dem ich mich von besonderen und inspirierenden Menschen verabschieden musste (R.I.P.)!
  • Wieder so ein Jahr vorbei, in dem radikale Idioten mit bestialischen Aktionen Angst, Unsicherheit und Schrecken verbreitet haben.
  • Wieder so ein Jahr vorbei, in dem ich zu oft auf dem falschen Fuss erwischt wurde.
  • Wieder so ein Jahr vorbei, in dem ich nicht alle persönlichen Zielsetzungen erreicht habe.
  • Wieder so ein Jahr vorbei, in dem sich meine Prioritäten verändert haben.
Abgesehen davon – und vielleicht gerade auch ein bisschen deshalb - war es ein besonderes, herausforderndes und unvergessliches Jahr.
Auf jeden Fall aber dank meiner Frau, die mir am 12. März 2016 einen kerngesunden und wunderschönen Sohn geschenkt hat!
Ich liebe beide aus tiefstem Herzen und freue mich, für diese einzigartigen Menschen Ehemann und Vater sein zu dürfen! Ein Privileg, das ich mir öfters vor Augen führen werde!
Auch beruflich war 2016 ein turbulentes Jahr: Restrukturierung, neue Funktion, neues Team, neue Herausforderungen! Nicht alles freiwillig, oft chaotisch und aus meiner Sicht zu einem sehr ungünstigen Moment, aber spannend und lehrreich, sowohl fachlich, als auch persönlich! Fakt ist, dass ich ohne Frau, Mentor und guten Beratern den Bettel im Frühling hingeschmissen hätte!
Und zu guter Letzt der eigene Körper, der mir immer öfters zu verstehen gibt, dass er älter wird und mehr Fürsorge/Ruhe braucht, gepaart mit dem Bedürfnis nach einem gesunden Lebensstil, bewusster Ernährung, ausreichend Bewegung und regelmässigen Routine-Checks bzw. Vorsorgeuntersuchungen!

Nun freue ich mich auf den bevorstehenden Jahresendurlaub und Weihnachten im Kreise von Familie und Freunden. Familie und Freunde sind das Wichtigste! Danach kommt lange nichts und was dann folgt ist ganz nett, aber sekundär!

Ihnen wünsche ich ein frohes Fest mit aufrichtigen, ehrlichen und lieben Menschen, viel Spass und unvergesslichen Momenten! À propos frohes Fest: Als Marketer liebe ich die Zusammenarbeit mit Firmen, die kreative Ideen entwickeln und diese professionell umsetzen. Firmen, bei denen der Mensch mehr zählt, als materielle Dinge oder persönliche Vorteile. Eine davon ist Futurelite... und die wünschten dieses Jahr wie folgt ein frohes Fest...!

Machen Sie's gut!

Man in Helvetica







Montag, 3. Oktober 2016

Urban. Hunt. 2016.

Letzten Freitag war ich einer von 7‘298 Gejagten in Zürich und offiziell registrierter Mitspieler beim «Urban. Hunt. 2016.».
Zurückgelegte Distanz: 11,1 km, überlebte Zeit: 02:23, Spassfaktor: unendlich


Den Entschluss, am grössten Mixed-Reality-Game der Welt teilzunehmen, fasste ich recht spontan.
Letzten Mittwoch installierte ich die App, am Donnerstag Abend packte ich meine Sportsachen und am Freitag, direkt nach Arbeitsende, machte ich mich auf den Weg in die Innenstadt.
Los ging es um 19.00 Uhr, mit 100 % Akkuleistung und 200 % Motivation.
Ich startete am Bellevue, am süd-östlichen Rand des virtuellen Spielgebietes, und starb 163 Minuten später einsam und verlassen im Foyer des Hotels Renaissance am nord-westlichen Rand des Spielfelds.
"Game over" infolge Verlassen des Spielfeldes, angeschlagener Gesundheit aus einem mächtigen Sturm und verpasster Aktivierung noch verfügbarer Health-Packs.
Dazwischen jeden Checkpoint abgegriffen, in drei Safehouses eingecheckt und geschwitzt wie in der finnischen Sauna.
Es war ein Höllenritt quer durch die ganze Stadt, bewaffnet mit 2 Power-Packs rannte ich über 2 Stunden um mein virtuelles Leben.
Vor Augen immer den Feind (Jäger im Mercedes), Fallen, Naturkatastrophen, Mitspieler, Verkehr, kürzeste Route, verfügbare Gadgets und den eigenen Akkustand.
Ausreichend Akku ist bei diesem genialen Mixed-Reality-Game matchentscheidend, die App säuft infolge permanenter GPS-Lokalisierung wie ein Panzer im Gefechtsmodus.
Urban. Hunt. ist Spass und Anstrengung pur, ich lernte witzige Leute kennen und war überrascht, dass es im realen Leben keine Verletzte (oder sogar Tote!) gab, weil viele jegliche Verkehrsregeln missachteten.
Ganz kritisch war das Spielgebiet in der Langstrasse und bei der Europaallee: lange Strecken, kaum Ausweichmöglichkeiten und viel motorisierter Verkehr.
Etwas übersichtlicher und dunkler, aber nicht weniger gefährlich, wurde es beim Sihlquai. Hier verkleinerten Naturkatastrophen das verfügbare Spielgebiet und erschwerten das Überleben.
Meine letzten Kilometer bei der Hardbrücke waren „Leben am Limit“, die zunehmende Intensität der Geschehnisse verkündete langsam aber sicher das bevorstehende Spielende.

Nächstes Jahr werde ich wieder dabei sein...!